Ursache

Über die genauen Ursachen von MIH spekulieren Zahnärzte, Forscher und Eltern gleichermaßen. Da sich die Fallzahlen in den letzten Jahren so rasant entwickelt haben, muss es eine Ursache sein die in unserer Umwelt zu finden ist. Da die betroffenen Zähne zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem 18 Lebensmonat gebildet werden, ist die Ursache in diesem Zeitverlauf zu suchen. Diskutiert werden aber auch pränatale und postnatale Einflüsse.

Auch wenn der Forschung noch keine Ergebnisse vorliegen haben sich Stand heute zwei Hauptverdächtige Einflüsse herauskristallisiert:

  • Bisphenol A

Laut einer im „American Journal of Pathology“ veröffentlichten Studie stört die in vielen Kunststoffen enthaltene Chemikalie Bisphenol A die Mineralisation der Zähne von Ratten. Die Tierexperimente sind zwar nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar, dennoch mahnen MIH-Experten zur Vorsicht. D.h. Eltern sollten vermehrt darauf achten dass das Kind nicht Bisphenol A ausgesetzt ist. Neben der Vermeidung von Bisphenol A haltigem Spielzeug sollte z.B. auch darauf geachtet werden dass keine Bisphenol A-haltigen Plastikverschlüsse (z.B. von den beliebten Fruchtquetschies) in den Kindermund kommen.

  • Antibiotika

Der Greifswalder Zahnmediziner und Forscher Dr. Prof. Christian Splieth* hat Antibiotika in Verdacht, zumal von Tetrazyklin bekannt ist, dass es in den Zahnschmelz eingebaut werden kann. Deshalb hat er untersucht, wie verbreitet MIH unter Schulkindern in Düsseldorf, Greifswald, Hamburg und Heidelberg ist und ob es einen Zusammenhang zum jeweiligen Antibiotikaverbrauch gibt. Aber er fand kein Muster, ganz im Gegenteil: Die Kinder in Greifswald hatten mit vier Prozent die niedrigste MIH-Rate – und bekamen am meisten Antibiotika verabreicht.

  • Pränatale Einflüsse

Pränatal könnten gesundheitliche Probleme der Mutter vorallem im letzten Schwangerschaftsdrittel eine Rolle spielen, perinatal – also während der Geburt –  auch Sauerstoffmangel, Frühgeburt, Kaiserschnitt sowie Komplikationen bei einer vaginalen Entbindung.

  • Postnatale Einflüsse

Postnatal, so die Forschung, könn­ten sich vor allem Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Asthma, aber auch Infektionskrankheiten sowie gehäufte Medikamenteneinnahmen in den ersten Lebensjahren (Antibiotika, Schmerzmittel) auf die Schmelzbildung beziehungsweise -reifung auswirken.

  • Sonstige diskutierte Ursachen

Störungen im Mineralhaushalt insbesondere des für die Zahnentwicklung wichtigen Kalzium-Phosphat-Haushalts durch beispielsweise chronische Nierenerkrankungen sind ebenfalls als mögliche Faktoren im Gespräch.